Vielleicht muss man sich, wenn man Prisacs Filme anschaut, erst einmal klarmachen, was man immer stillschweigend im Kopf hat, wenn man Filme anschaut. Man erwartet nämlich, dass sie Bewegung abbilden, und ganz besonders bei Brickfilmen, wo man doch so einen schönen Effekt erzeugt, indem man diese Bewegungen mühsamst konstruiert. Und das Fehlen dieser Bewegungsillusion stößt uns dann als unfilmisch auf. Es ist dies aber nur die Enttäuschung unserer ungeschriebenen Erwartungen an Film.
Ich will nicht zu philosophisch werden oder den Medienwissenschaftler heraushängen lassen - und empfehle allen Unerschrockenen die Lektüre des wirklichen grandiosen und unübertroffenen Buch "Das Bewegungs-Bild" von Gilles Deleuze - aber ich will nur kurz darauf aufmerksam machen, dass es schwierig ist, die Grenze zu ziehen, ab wann zwei aufeinander folgende Bilder nicht mehr Bewegung ergeben. Denn wie wir alle als Stop-Motion-Animateure wissen, bestehen unsere Filme alle aus Einzelbildern, die unser Kopf dann miteinander vergleicht und aus ihrer Differenz dann etwas erzeugt, was er als Bewegung definiert. Es ist zwar anstrengender, aber genauso kann es mit zwei Bildern funktionieren, die nicht mehr nur durch eine Millimeterverschiebung der Teile voneinander abweichen, sondern durch verschiedenen Ansichten, verschiedener Dinge. Auch eine Dia-Show, die Bilder hintereinander zeigt, ermöglicht, dass wir aus der Differenz zwischen ihnen eine Bewegung konstruieren - nicht mehr die Illusion von Laufen oder Gestikulieren, aber doch eine gedankliche Bewegung von einem Abschnitt zum nächsten. Eines der schönsten Beispiele für einen solchen Film ist Chris Markers "La jetée" von 1962, das Terry Gilliam dann "voll bewegt" als "Twelve Monkeys" neuverfilmt hat (
http://www.imdb.com/title/tt0056119/). Kurz gesagt: Kino entsteht im Kopf, nicht in den Bildern.
Und so verstehe ich auch Prisacs Filme. Es sind Kopf-Filme, das zeigt auch das immer wiederkehrende Moment der Figur, die sich ins Bett legt, um sich einen Film zu erträumen. Bilder, die arbeiten, die bewegt werden, die in Szene gesetzt werden und dort dort herumspuken. Die Framerate ist deshalb wichtig für die - Achtung! schlimmes Wort! - künstlerische Aussage der Filme. Denn mit naturalistischer Animation würden sie diesen Charakter des Kopf-Kinos verlieren und zu ziemlich banalen Sequenzen verkümmern.
Das hat alles nichts damit zu tun, was man persönlich mag. Ich bin auch hin und weg davon, dass diese kleinen Knubbelfiguren plötzlich herumlaufen und so tun, als wären sie Menschen wie Du und ich. Mir gefällt aber der unbedingte Ausdruckswille, den Prisac hat. Er kopiert niemanden und nichts, noch nicht einmal die Bewegung. Und so gefällt mir der Samstag-Film viel besser als der "Wunder von Bern"-Abklatsch mit der berühmten Netzer-Heldentat. Es würde mir sogar noch besser gefallen, er würde die älteren Figuren verwenden, die noch keine frei beweglichen Arme und Beine hatten, dann käme die Aussage für meinen Geschmack noch besser rüber. Aber das ist wieder persönlicher Geschmack. Manchmal trifft er mich mit seiner Poesie, manchmal nicht. Aber hoffentlich macht er weiter das, wozu es ihn innerlich drängt.