Brick|film ['brɪkfɪlm], der; -s, -e <engl. »Klötzchenfilm«>: Animationsfilm in Stop-Motion-Technik, der überwiegend mit Lego® und anderem Klicksteinmaterial gedreht wurde.

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Watson's Appell

Alles rund ums Brickfilmen, die Werkzeuge und Techniken, bahnbrechende Einfälle und sogar Projektvorstellungen finden hier ihren Platz.

Watson's Appell

Beitragvon willem » 17.09.2009, 19:00

Auf Bicksinmotion.com hat Alt-Filmer Watson mit einem bislang weitgehend ungehörten Appell zu einer Diskussion über das Brickfilmen im allgemeinen aufgerufen ("Discuss, I say! Discuss!").

Anlaß gibt ihm hierzu die Wiederveröffentlichung des Films „Taco Trouble“, den er der heutigen Filmer-Generation als Bespiel vor Augen hält.

Was haltet Ihr davon?
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Beitragvon mario72 » 18.09.2009, 02:01

Ausser der Toiletten-Szene mag ich den Film nicht sonderlich.
Das Seh- und Drehverhalten ändert sich nunmal mit der Zeit.
Hat es früher einen noch vom Hocker gerissen wenn ein Fotograf von einem Zug überfahren wird (erste coole Stop-Trick-Technik noch in S/W)
Und das Legofiguren laufen gelernt haben ist ja nun nichts neues mehr.
Doch zu damaliger Zeit war es neu, somit hat man eben gerne aus der Totalen gefilmt um das "Laufen" zu zeigen.
Heute "weiss" man dass die Figuren laufen können, und konzentriert sich also eben mehr darauf die Sets auszubauen, CInematografie an die Kino-Vorbilder angleichen, Sound/Bildgestaltung, etc.

Das sieht man sehr einfach an der "normalen" Filmgeschichte.
Früher war es für die Menschen wie "Magie", dass es "echt" einen Riesen-Affen gibt der eine blonde Frau auf seiner Insel hat.
Damals noch in Stop-Motion und - aus heutiger Sicht - übelsten Kameraeinstellungen. (ja, einige davon sind Klasse und bis heute erhalten).
In den 70ern hat man dann über die X-te Verfilmung gestaunt als man doch tatsächlich einen Riesen-Affen gebaut hat, der teilweise sogar nur aus einer Hand bestand die Hydraulisch bewegt worden ist.
Peter Jackson hat es dann "heute" als technisches Meisterwerk hingelegt (wobei ich den aus den 70ern lieber mag).

Wenn früher noch der Vertigo-Effekt gereicht hat, ist heute die Bullet-Time aus Matrix die das Non-Plus-Ultra stellt.

Nein, es geht natürlich nicht nur um die technische Errungenschafft, auch das "Schauspiel" hat sich verändert. Mussten früher die Schauspieler im Stummfilm durch übertriebene Gestiken die Szene/Gefühle erklären, so würde man heute über solches Gebärden in einem Film lachen. Oder man sitzt in einem Film mit Jim Carrey ;)

Wurden die Gefühle früher per Film-Erzähler oder einfacher Klavier-Untermalung transportiert, so ist es heute ein Orchester mit genialer Melodie (StarWars, Fluch der Karibik, StarTrek, Indiana Jones, Harry Potter...)

Und gleiches passiert nunmal auch im Brickfilm. Und es wäre schlimm wenn es nicht so wäre. Angefangen von erste Bluescreen-Effekten, dann das Laser-Schwert, dann ganze 3D-Filme, oder auch der Streit 2er Köche die sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen (Pierre & Luigi) bis hin zu Experimental-Filmen wie von Robukka.
Und Gefühle, ja die gibts auch heute noch von einem Film-Sprecher! Nur macht Mirko das in seinem "Fischer" das eben auf heutiger, Zeitgemäßeren Weise. Und nein, es müssen nichtnal Legofiguren sein, wenn man sich mal seinen "Greedy Bricks" anschaut.
Und kaum einer würde von Golego erwarten dass sie einen Film ohne perfekt abgemischten Ton abliefern.

Es liegt vielleicht eben in der Natur der Sache dass sich Dinge weiter entwickeln. In 20 Jahren wird vielleicht über uns gelacht:
Wie, Filme die nicht 3D sind?

Selbst die Sprache ändert sich stets. Wer sich mal ein Werk von Goethe antut weiss das. Aber soweit braucht man gar nicht zurück gehen, denn seit wann gibt es denn "denglisch"???
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Beitragvon Cornelius » 18.09.2009, 15:13

Taco Trouble ist ein wunderbarer Film der grade durch seine Einfachheit so gut funktioniert. Was wir durch ihn lernen können, ist gewiss die Tatsache, dass wir Brickfilme immer als Gesamtwerk betrachten müssen und das Animation/Licht/Kamera zu diesem Konzept dazugehören, weswegen jegliche Kritik gleich aus diesem Grund abgewiesen werden kann.
Als ich mit nichtgedreht damals den Sündenhamster drehte, hatte ich mir tatsächlich vorgestellt, dass dieser Film nach den üblichen Kategorien bewertet werden würde. Glücklicherweise wurde dies nicht getan. Schließlich werden Dogma 95-Filme auch nicht kritisiert, wenn die Kamera wackelt.
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Beitragvon Mirko » 18.09.2009, 18:31

Mario, ich glaube es geht Watson gar nicht darum, die Weiterentwicklung von Brickfilmen zu kritisieren. Er kritisiert lediglich, dass einige Leute so fixiert sind auf einzelne technische Aspekte eines Films, dass sie das große Ganze, die Bedeutsamkeit des Films, außer Acht lassen. Und das ist auch mein Eindruck, wenn ich ab und zu mal wieder da vorbeischaue.

Neulich zum Beispiel habe ich zum ersten Mal die beiden ersten Plätze des STAR Contest gesehen. Platz eins: Gähhn! Die immer gleiche Zurschaustellung von langen Einstellungen, Dunkelheit, harter, kontrastreicher Beleuchtung und anderen Eigenschaften, die einem irgendwie das Gefühl geben sollen, dass sie irgendeine Bedeutung haben. Nun verstehe ich die Story nicht so richtig, dem dazugehörigen Posting auf BiM nach zu urteilen gibt es die auch nicht so richtig. Aber wenn man sieben Minuten lang das sehen will, was auf BiM allgemein als "great cinematography" gilt, ist man mit dem Film vermutlich bestens bedient. Eine technisch perfekte Einschlafhilfe.

Dagegen war ich vom zweiten Platz richtig positiv überrascht, der war nämlich nicht nur technisch herausragend (und dabei z.T. richtig innovativ, seht Euch mal die Fotos vom Set an), er war auch absolut kurzweilig.

Es geht nicht darum, moderne Technik schlecht zu reden oder Sorgfalt bei der Animation. Es geht darum, dass das beides nicht für einem guten Film reicht. Ein Film braucht einen bedeutsamen Kern. Ein narrativer Film braucht eine bedeutsame Story, die so gut sein muss, wie nur irgendwie möglich. Und ich bin der Meinung, dass sich dann alle anderen Elemente des Films dieser Story unterordnen müssen. Spezial- und Lichteffekte schön und gut - wenn die Story sagt, die Hauptperson fackelt das Haus ab, dann muss da Feuer zu sehen sein, wenn die Hauptperson nachts in eine Kneipe geht, dann muss es da spärlich beleuchtet sein. Aber sobald so etwas zum Selbstzweck wird, nutzt es sich einfach ziemlich schnell ab. Bei so einigen Filmen der oben genannten Kategorie habe ich den Eindruck, die Prämisse lautete einfach nur "Die Welt ist dunkel, Licht kommt grundsätzlich von schräg unten." Und das reicht einfach nicht aus, wenn man außerhalb der Brickfilm-Community jemanden unterhalten will.

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Beitragvon SteinZeit » 18.09.2009, 20:48

Mirko hat geschrieben:Neulich zum Beispiel habe ich zum ersten Mal die beiden ersten Plätze des STAR Contest gesehen. Platz eins: Gähhn! Die immer gleiche Zurschaustellung von langen Einstellungen, Dunkelheit, harter, kontrastreicher Beleuchtung und anderen Eigenschaften, die einem irgendwie das Gefühl geben sollen, dass sie irgendeine Bedeutung haben. Nun verstehe ich die Story nicht so richtig, dem dazugehörigen Posting auf BiM nach zu urteilen gibt es die auch nicht so richtig.

Auch wenn es etwas off topic ist, muss ich dir einfach zustimmen!
Ich habe wirklich nur ueber River hinweggescrollt, weil der Film zu langatmig war und fuer mich keinen Sinn ergeben hat. Heute habe ich mal den kompletten Film geschaut, aber immernochnicht verstanden, was das ganze zu sagen hat (ich waere froh, wenn mich mal jemand aufklaeren koennte!).
Ich persoenlich mag es, wenn die Handlung eines Films eine weiterfuehrende Bedeutung hat, allerdings sollte man ihn auch ohne gross drueber nachzudenken verstehen koennen.

Taco Trouble ist nicht, was ich unbedingt lustig finde. Natuerlich ist der Film kreativ gestaltet, weil er einer der ersten seiner Art war. Es waere schoen, oefter solche frei gestalteten Filme zu sehen - das aber in einem aktuellen Stil.
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Beitragvon Cornelius » 19.09.2009, 01:06

Manchmal geht es nicht darum etwas zu verstehen. Beim Fall "River" ist dies ganz gewiss nicht so, wie es Nikolas selbst zugibt. Setzt die Bilder die ihr gesehen habt doch einfach mal im Kopf zusammen und versucht euch selber ein Bild davon zu malen.
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Beitragvon mario72 » 19.09.2009, 01:10

Cornelius hat geschrieben:Manchmal geht es nicht darum etwas zu verstehen. Beim Fall "River" ist dies ganz gewiss nicht so, wie es Nikolas selbst zugibt. Setzt die Bilder die ihr gesehen habt doch einfach mal im Kopf zusammen und versucht euch selber ein Bild davon zu malen.

Er ist trotzdem u lang, langatmig, langweilig.
Die Kameraeinstellungen sind natürlich Top, auch die Idee die dahinter steckt mag interessant sein, doch ist er wirklich einfach zu lang für zuwenig Story.
Um ehrlich zu sein sehe ich in diesem Film auch keinen "first Place"...
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Beitragvon julian » 19.09.2009, 01:25

Ich persönlich halte The River für einen sehr gelungenen Film. Zugegeben, am Anfang fand ich ihn auch eher komisch - bis ich dann letztens den Film nochmal gesehen, und auch die Story verstanden habe. Der wichtigste Hinweis ist wohl der der Zeitreise, die der Hauptcharakter mittels des Flusses (und der Fahrt darauf) durchläuft. Diese sehr interessante, zu-einem-zweiten-Mal-sehen-auffordernde Geschichte ist dazu noch in schönen Bildern erzählt.

Aber ich muss zustimmen, auch die Zweitplatzierung mochte ich sehr, auch wenn dieser Film grundverschieden ist. Er besticht hauptsächlich durch die bunten, schön designten Sets und die fantastische "Cartoon"-Animation, die sehr comichaft und überzeichnet wirkt... was den Reiz dieses Werkes ausmacht.

So, zu dem Rest werde ich mich ein andernmal äußern... bin jetzt dafür zu müde.... Nur so viel: Watson hat schon in gewissen Punkten recht, dass sich einige Brickfilme auf bestimmte Muster festgefahren haben.
Fördern tut diese so vermisste Kreativität allerdings auch der BiM-Contest 2010 mit dem Titel "Avant-Garde" ;)
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Beitragvon Brick-Greg » 19.09.2009, 10:56

Ich finde Watsons Appel ist absolut berechtigt. Natürlich hat sich der Brickfilm weiterentwickelt, aber besonders bei den internationalen Brickfilmen habe ich das Gefühl, dass sich Filme kaum noch voneinander unterscheiden. Im Grunde wird fast nur noch versucht den Zuschauer mit einem technischen Reiz nach dem Anderen zu überfluten. Und da bleibt die Aussage oft auf der Strecke.
Als ich mir "The River" angeguckt habe, dachte ich am Ende des Films "Na und? Jetzt habe ich mir ein paar Minuten lang irgendwelche austauschbaren Bilder angeguckt und was soll mir das jetzt sagen?"
Ich kann nur hoffen, dass es in Zukunft wieder mehr Filme geben wird, die den Rahmen sprengen, allerdings halte ich den Avantgarde Contest für nicht besonders förderlich. Wenn ich das alles richtig verstanden habe, dann werden die Teilnehmer dazu aufgefordert Filme zu fertigen, die besonders neuartig und außergewöhnlich sind. Aber die Avantgarde ist ja nicht um ihrer selbst Willen Avantgarde, sondern weil sie etwas Neues ausdrücken möchte, das es so vorher noch nicht gab. Da könnte man auch einen Contest machen mit dem Thema "großartige Filme" und dann muss jeder einen großartigen Film machen.
Wer Rechtschreibfehler findet, der darf sie behalten!
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Beitragvon A. » 19.09.2009, 17:42

Mein Problem mit dem Contest auf BiM ist, dass man heute vielleicht gar nicht mehr von Avantgarde im ursprünglichen Sinne sprechen kann. So Kritik am Avantgarde-Begriff vom postmodernen Standpunkt aus... aber das nur am Rande.

Grundsätzlich gibt es doch einfach unterschiedliche Ansätze was das Filmen betrifft. Was will ich von meinem Zuschauer / was will ich sagen? Will ich eine Geschichte erzählen, oder will ich etwas völlig anderes, beispielsweise einfach nur symbolisch aufgeladenen Eye Candy, der dem Betrachter Raum für eigene Interpretationen lässt. Wenn ich eine Geschichte erzählen will, mag das gelten, was Mirko sagte, wenn ich das allerdings nicht machen will, dann ziehen die Bewertungskriterien einfach nicht mehr. Einen Film wie The River daher mit denselben Kriterien wie Taco Trouble zu messen klappt einfach nicht und muss schief gehen.
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Beitragvon Night Owl » 25.10.2009, 04:30

Erstens... ich bin tatsächlich der echte Night Owl. Ich nehme an, dass meine Fähigkeit, über meinen eigenen Film zu sprechen (sowie meine grammatisch imperfekten Deutschkenntnisse), genug Beweis dessen ist.

Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass es ausgerechnet hier so viel Kritik an meinen Film gibt. Ich hatte immer angenommen, dass deutsche Zuschauer langsame Film besser vertragen würden. Tatsächlich werde ich immer wieder von Filmemachern inspiriert, die entweder nicht aus den Staaten kommen (Werner Herzog, Andrei Tarkowski, Ingmar Bergman) oder Amerikaner sind, die mit einen europäischen Stil identifiziert werden (Terrence Malick, Kelly Reichardt). In Berlin könnte man theoretisch jede Woche einen Film von Jim Jarmusch im Kino sehen. :P Ich halte den deutschen Film Aguirre, der Zorn Gottes für einen der besten Filme aller Zeiten; The River ist in gewisser Hinsicht meine Hommage daran.

Ich gebe zu, dass der Film ziemlich tief in ein amerikanischer Kulturvergangenheit gewurzelt ist. Es könnte durchaus sein, dass eine ganze Dimension des Films wegfällt, wenn man aus einen anderen Kulturkreis kommt.

Dennoch wundere ich mich, dass so viele Leute nach irgendeine logische Geschichte suchen, oder annehmen, dass die Qualität eines Films davon abhängt. Ich bin ebenfalls unbeeindruckt von Filmen, die auf Form über Inhalt wert legen (engl. style over substance), aber denke keinesfalls, dass das Wort Inhalt automatisch mit ein gut geschriebenes Drehbuch gleichzusetzen ist. Ich halte The River für meinen bisher philosophischsten Film, bloß werden diese Ideen kaum durch Worte kommuniziert (wozu brauchte man sonst einen Film?). Ich würde denken, dass das Fehlen jeglicher Dialoge oder sogar aktive Taten seitens der Charaktere schon darauf hinweist, dass man gezwungen ist, in den Bildern selbst Substanz zu suchen. Ich wollte einen Film machen, der eine Art spirituelles Ereignis darstellt, welches nicht unbedingt in dessen Ganzheit verstanden werden muss.
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Beitragvon Mirko » 05.11.2009, 21:21

Zunächst möchte ich mich mal bei Dir, Night Owl, entschuldigen für den Ton meines Postings oben. Das ganze war nicht als konstruktive Kritik angelegt, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass Du es lesen würdest. Aber mein Posting ist eben auch ziemlich grob formuliert, was mir erst auffällt, wo Du jetzt sozusagen vor uns stehst und wir nicht mehr über Dich, sondern mit Dir reden und das ist eindeutig zu spät. Sorry!

Das mit der amerikanischen Geschichte mag sein, vielleicht entgeht mir da wirklich was und ich denke ich werde mir den Film in einer ruhigen Minute nochmal ansehen. Und ich gebe Dir auch absolut recht, dass ein guter Film mit wenigen Worten auskommt - zuviel Dialog ist aus meiner Sicht ein Symptom dafür, dass die Geschichte für das Medium ungeeignet ist. Die Empfehlung "Show, don't tell" heißt beim Film wohl im wesentlichen, dass man nicht die Charaktere alles mit Worten erzählen lässt, sondern das durch Ihre Handlungen und durch Bilder tut. Dass ein Film eine Geschichte fast ausschließlich visuell erzählt würde ich nie kritisieren.

Meine Kritik bezog sich tatsächlich auch nicht allein auf Deinen Film, der war nur gerade aktuell, als ich das letzte Mal auf BiM vorbeischaute. Es geht mir allgemeiner um eine ganze Reihe von Filmen in einem ähnlichen visuellen (und oft etwas klischeehaften) Stil (eben diese sparsame, kontrastreiche Beleuchtung, ungewöhnliche Kamerawinkel, lange Einstellungen, häufig verbunden mit einer Story, die an Film Noir erinnert). Ich habe irgendwann einmal den Eindruck bekommen, dass dies inzwischen die einzigen Filme sind, die auf BiM anerkannt werden. Diese Art von Bildern wird dort scheinbar ganz automatisch mit dem Prädikat "great cinematography" versehen. Ich bin nur der Meinung, dass gute Cinematography die Bedeutung des Films (sei es die Story oder etwas anderes) unterstützen muss, wohingegen ich bei Brickfilmen dieser Art oft den Eindruck hatte, dass die Story nur als Vorwand dient, um wieder diesen visuellen Stil verwenden zu können.

Ebenso wie mir der Stil dieser Filme klischeehaft vorkommt, ist aber die Reaktion der Forumsteilnehmer ein Ritual, das mich an andere Standardbemerkungen erinnert: Bei technisch weniger perfekten Filmen wird als erstes auf Flimmern und Kamerawackler hingewiesen - selbst bei Filmemachern, bei denen man davon ausgehen sollte, dass sie diese Hinweise absolut nicht brauchen. Blunty hat brickfilms.com seinerzeit verlassen, weil ihm solche Kommentare auf die Nerven gingen. Die Leute waren viel zu sehr auf solche technischen Details fixiert um sich die Filme richtig anzusehen. Wegen positiver Kommentare wird niemand einen so dramatischen Abgang machen wie Blunty (ok, eigentlich wird sowieso niemand einen so dramatischen Abgang machen wie Blunty), aber sie können ebenso den Eindruck verstärken, dass nur bestimmte Aspekte eines Films überhaupt beachtet werden.

Mit den Kommentaren zu dem letzten Film, den ich auf BiM vorgestellt habe konnte ich jedenfalls nicht mehr viel anfangen und das ist einer der Gründe dafür, dass ich dort nicht mehr aktiv bin.

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Beitragvon Night Owl » 09.11.2009, 00:47

Mirko hat geschrieben:Meine Kritik bezog sich tatsächlich auch nicht allein auf Deinen Film, der war nur gerade aktuell, als ich das letzte Mal auf BiM vorbeischaute. Es geht mir allgemeiner um eine ganze Reihe von Filmen in einem ähnlichen visuellen (und oft etwas klischeehaften) Stil (eben diese sparsame, kontrastreiche Beleuchtung, ungewöhnliche Kamerawinkel, lange Einstellungen, häufig verbunden mit einer Story, die an Film Noir erinnert). Ich habe irgendwann einmal den Eindruck bekommen, dass dies inzwischen die einzigen Filme sind, die auf BiM anerkannt werden. Diese Art von Bildern wird dort scheinbar ganz automatisch mit dem Prädikat "great cinematography" versehen. Ich bin nur der Meinung, dass gute Cinematography die Bedeutung des Films (sei es die Story oder etwas anderes) unterstützen muss, wohingegen ich bei Brickfilmen dieser Art oft den Eindruck hatte, dass die Story nur als Vorwand dient, um wieder diesen visuellen Stil verwenden zu können.

Glaube mir, ich habe eigentlich die gleiche Meinung wie du; der Film Glimpse of a Downfall von Matt Gillan zum Beispiel wurde dermaßen gelobt, obwohl es meiner Meinung nach ziemlich schrecklich war; das Drehbuch war äußerst klischeehaft, und ich hatte den Eindruck, dass jede Kameraeinstellung nur meine Aufmerkung auf sich lenken wollte.
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