Immer wieder sonntags präsentiert das Brickboard einen besonderen Brickfilm. Du möchtest auch mal einen Stop Motion Sonntag schreiben? So geht's!




2023 war das Jahr, in dem ich nach fast zehnjähriger Pause zurück zum Brickfilmen fand, und auch das meiner ersten Steinerei-Teilnahme. Noch ganz frisch in der Brickboard-Community wusste ich nicht wirklich, was ich zu erwarten hatte. Ich verließ das Festival mit einem schwirrenden Kopf voller neuer Eindrücke, unter denen einer besonders hervorstach, und das war "Krise" von Tiyara (aka Yetgo) - mein Lieblingsfilm unter den Einreichungen dieses Jahres, und für mich ein wichtiges Symbol dafür, dass Brickfilme viel mehr sein können als nur lustige Filmchen mit Lego.


Krise ist ein Film über Umweltschutz und Protest, der es aber elegant vermeidet, sich auf ein Podest zu stellen oder in Schwarzmalerei zu verfallen. Er konzentriert sich auf drei Aktivistys, und erzählt von deren Weg zu einer Waldbesetzung. Ihre Geschichte wirkt auf den ersten Blick klein, vielleicht sogar unbedeutend im Kontrast zum übergreifenden Konflikt, in dessen Rahmen sie steht. Aber gerade das erlaubt einen anderen, persönlicheren Einblick, und vermittelt eine wichtige Botschaft: Auch wenn die Probleme überwältigend groß scheinen, zählt jeder Schritt und jedes Schicksal. Veränderung beginnt im Kleinen. Aktivismus ist mehr als nur große, pressewirksame Proteste. Und auch, wenn es Rückschläge gibt, kann und muss es trotzdem weitergehen. Es ist kein fröhlicher Film, aber ein hoffnungsvoller, und vor dem Hintergrund der sich weltweit häufenden Krisen verschiedenster Art auch drei Jahre später noch sehr aktuell.


Abseits vom Thematischen ist auch das Handwerkliche Tiyara-typisch rundum gelungen. Die Bildsprache, Kameraarbeit und Musik (komponiert von Brickstorming) erzeugen eine energetische und zugleich etwas melancholische Atmosphäre, wie sie nicht viele Brickfilme vorweisen können. Im (Ziegelstein-prämierten) Setdesign findet sich ein weiteres, interessantes Spiel mit Kontrast: Aus Klemmbausteinen gebaut sind fast nur die Charaktere und menschengemachte Objekte; der Wald und die natürliche Landschaft drum herum sind mit vielseitigen anderen Materialien dargestellt. Und zuletzt wäre da die Narration aus Sicht des Planeten Erde, die eine effektvolle Klammer um den gesamten Film bildet. Ich könnte noch weiter fortfahren, aber irgendwann muss dieser Post auch mal online gehen.


Großes Kino also auf mehreren Ebenen, das auf der Steinerei verdient zwei Preise abgeräumt hat! Viel Spaß:

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